Die WIENER GESUNDHEITSFÖRDERUNG – WiG vergibt jedes Jahr den Wiener Gesundheitspreis. Im August und September 2019 produzierte die Drehstrom Filmproduktion mehrere Videos, die verschiedene Gewinnerprojekte dieses Preises präsentieren und erklären. Die Videos wurden dann im September 2019 auf der Wiener Gesundheitsförderkonferenz und im Internet veröffentlicht.
Die Preisträger*innen erzählen in den Videos über ihre Projekte, wie es dazu kam, welche Ideen sie zu den Problemstellungen entwickelt haben und welche Erfolge sie damit erzielen konnten. Passend zu den Aussagen wurden Texte, Grafiken und Fotos animiert um die Statements im Bild verständlicher zu machen.
Dina Elmani-Zanka: Das Projekt “Merkima” haben wir vor einigen Jahren ins Leben gerufen, weil wir eben gemerkt haben, dass es wichtig ist, mit Kindern auch über Demenz und Altwerden und Alzheimer zu sprechen. Wir haben lange auch am Titel getüftelt, wie wir das nennen könnten. Und irgendwie habe ich mir gedacht: Na, nehmen wir doch “Merkima”, weil das merke ich mir auch. Im Zuge meiner Masterthesis habe ich mich mit Alzheimer beschäftigt und da bin ich draufgekommen irgendwie, dass da Kinder und Jugendliche komplett außen vorgelassen worden sind. Daraufhin habe ich dann mit jemandem von Alzheimer Österreich gesprochen und gefragt, wie es denn eigentlich so ist in den Gesprächsrunden mit den Betroffenen und auch mit den Angehörigen von Alzheimerkranken. Und wir sind dann draufgekommen, dass Kinder kaum noch Kontakt mit den Großeltern haben, mit den alzheimerkranken Großeltern. Und wir haben dann - weil ich auch aus der Gestaltungstherapie komme - mit Handpuppe eben gearbeitet, damit wir eben auf spielerische Art und Weise das doch sehr schwere Thema den Kindern näherbringen können. Die Initiative läuft so ab, dass wir eben die Möglichkeit haben, kostenlos über Spenden die Workshops anzubieten. Interessierte Pädagog*innen melden sich dann bei uns. Wir machen einen Termin aus und kommen dann direkt in die Klasse. Was uns sehr fasziniert hat, ist, dass die Kinder komplett unaufgeregt mit diesem Thema umgehen. Die haben so per se keine Berührungsängste. Das kommt dann wirklich eher von den Eltern, die sich Sorgen machen. Für die Kinder, die nehmen das und auch mit einer sehr lockeren Art und Weise und machen das ganze schwere Thema auch sehr leicht.
Fiona Rukschcio: Wir sind eine Gruppe von Privatleuten, die sich “Frühstück im Park” nennen, und seit 24. Oktober 2018 jeden Mittwoch in dem Park gehen, in den Esterházypark im sechsten Bezirk, und gesundes, gutes und stärkendes Frühstück für obdach- und wohnungslose Menschen zubereiten und bringen. Ich wohne um die Ecke und ich habe zwei Hunde. Ich habe gedacht, meinem Hund geht es besser als den Leuten, die auf der Straße leben müssen und habe mich immer geniert, wenn ich da in der Früh gegangen bin und die gesehen habe. Was uns ein Anliegen ist und was auch sehr gut aufgenommen wurde, ist, dass wir wirklich gesundes Essen anbieten, weil irgendwie auch durch Erzählungen und Beobachtungen und so haben wir mitbekommen, dass zum Beispiel Eier oder Speisen mit Eiern eine Rarität sind. Gute Milch, starken Kaffee, also keinen Kaffeesatz, sondern wirklich guten, starken Kaffee, Kakao, Tee und das ganze Gemüse und Obst. Wir haben dann auch teilweise so Müslis gemacht, in Marmeladegläsern zum Mitnehmen, warmes Porridge. Also wir haben auch selber experimentiert und immer eigentlich etwas anderes angeboten, je nachdem was wir auch bekommen haben und weiter verwertet und zubereitet. Und ich glaube, das ist auch sehr wichtig, weil gerade diese Menschen, die unter so harten Bedingungen leben, die brauchen stärkendes Essen. Also das war auch schön zu sehen, oder ist schön zu sehen, dass die Menschen das auch annehmen und auch gerne essen und wollen. Also dass das wirklich angekommen ist, dieser Gesundheitsaspekt.
Gudrun Lenk-Wane: Der “Verein nennt sich Entschleunigung und Orientierung - Institut für Alterskompetenzen” und wurde 2005 gegründet von der Hedwig Presch und der Ingrid Liebe. Die Mitglieder sind mittlerweile 60 plus, die sich mit Fragen zum Thema Altwerden, gutes Altsein beschäftigen. Sowohl der Verein als auch ich, wir wohnen im 16. Bezirk, links und rechts von einem Park. Wir haben uns sozusagen im Park getroffen, weil das unser unmittelbares Umfeld ist. Ein Projekt findet statt. Und daraus entstehen Ideen für das nächste. Ein Projekt im Park war, weil im Park so viele Plastikflaschen herumliegen. Da haben wir ein Riesenobjekt aus leeren Plastikflaschen gebaut. Als Fortsetzung von dem, da waren mal die Plastikflaschen, aber dann war die Frage: Ja, aber was ist denn in den Säften drinnen? Was trinken denn die Leute? Was kaufen sie sich dann? Und dann wiederum ist die Frau Presch in der Zwischenzeit bei einer Food-Kooperative Mitglied geworden, und dort gab es eine Ernährungsexpertin, die Agnes Pfeffer. Dann haben wir die Agnes Pfeffer eingeladen. Was ist ein direkt gebremster Saft? Was bedeutet Nektar? Was ist 100% Saftanteil? Wie viel Zucker? Da haben wir einige Frauen, die dort um den Park wohnen, kennengelernt. Wir sind gemeinsam auf den Satzberg gegangen, haben dort Kriecherl, also so kleine Ringlotten gepflückt und haben dann im Park den Saft gepresst mit allen Leuten.
Beim Wiener Gesundheitspreis 2019 wurden in der Kategorie „Gesund in Grätzel und Bezirk“ drei herausragende Projekte ausgezeichnet, die sich durch ihr lokales Engagement für Gesundheit und Wohlbefinden in Wiener Bezirken hervorhoben. Die Preisträgerinnen erzählen im Video von ihren Projekten:
Gemeinsam den Wiesbergpark gestalten – eine lokale Care-Kultur aufbauen: Das Projekt des Instituts „entschleunigung und orientierung – institut für alterskompetenzen“ setzte auf die gemeinschaftliche Gestaltung des Wiesbergparks. Ziel war es, eine lokale Care-Kultur zu etablieren, die soziale Teilhabe fördert und den Park als gesundheitsfördernden Begegnungsraum für alle Generationen nutzbar macht.
FiP – Frühstück im Park: Die Initiative „FiP – Frühstück im Park“, durchgeführt vom Verein FFFR, organisierte regelmäßige Frühstückstreffen im öffentlichen Raum. Diese niederschwelligen Veranstaltungen boten Bewohner*innen die Möglichkeit, sich auszutauschen, soziale Kontakte zu knüpfen und gemeinsam gesunde Mahlzeiten zu genießen, wodurch das Gemeinschaftsgefühl und die psychische Gesundheit gestärkt wurden.
Merkima – Demenz Kindern erklärt: Das Projekt „Merkima“ von Alzheimer Austria entwickelte kindgerechte Materialien und Methoden, um Kindern das Thema Demenz verständlich zu machen. Durch Aufklärung und Sensibilisierung trug das Projekt dazu bei, das Verständnis zwischen den Generationen zu fördern und den Umgang mit demenziell erkrankten Angehörigen zu erleichtern.
Alexandra Münch-Beurle: Das Büro Frauengesundheit und Gesundheitsziele ist zuständig für die Umsetzung des Wiener Programms für Frauengesundheit und auch für die Koordination des Gesundheitszieleprozesses der Stadt Wien. Wir wollten jene Menschen erreichen, die dafür verantwortlich sind, wie Arbeitsbedingungen in Betrieben und in Organisationen gestaltet sind. Und auch jene Menschen, die in Unternehmen gehen und Unternehmen beraten in Bezug auf Arbeitsgestaltung. Und da erschien uns der Weg eines Curriculums als Multiplikatorinnen-Ansatz sehr geeignet. Die Umsetzung des Projektes geschah in Zusammenarbeit mit dem Frauen-Gesundheitszentrum FEM Süd – hier hat besonders Magistra Karin Korn intensiv mitgearbeitet – und der Unternehmensberaterin Magistra Birgit Pichler. Später kam noch ins Projektteam dazu Doktorin Irene Kloimüller, eine Expertin für betriebliches Gesundheitsmanagement. Wir konnten drei Pilotunternehmen gewinnen, die uns unser Curriculum ausprobieren ließen. Das war der Fonds Soziales Wien, der Arbeitersamariterbund Wien und die Simacek Facility Management Group. Eine Erkenntnis, die sich bei uns sehr rasch eingestellt hat, war, dass man Frauenförderung allgemein im Betrieb nicht trennen kann von Frauengesundheitsförderung im Betrieb. Dass diese Themen sehr eng miteinander verwoben sind. Wir sind derzeit damit beschäftigt, all diese Erfahrungen und die Expertise, die wir im Rahmen des Projektes zusammengetragen haben, in ein Handbuch zu gießen, um auch diese Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Gabriele Graumann: Wir haben 30 Standorte in Wien, 150 Pensionistenklubs. Zusammengenommen sind wir so groß wie Eisenstadt. Und womit beschäftigen wir uns? Mit selbstbestimmten Lebensräumen für unsere Bewohnerrinnen und Clubbesucherinnen und selbstbestimmten und selbstbestimmten Arbeitswelten, für unsere Mitarbeiterinnen. Unser Projekt ist im Wesentlichen gezielt reden mit dem Ziel, Menschen zu stärken, zu befähigen und natürlich auch zu sensibilisieren. Im Wesentlichen geht es darum, dass Mitarbeiterinnen aus dem Team Diversität und Gesundheitsmanagement – das ist eine eigene Abteilung bei uns im Kuratorium – ausgeschwärmt sind und sogenannte Ask and Go Runden gemacht haben mit dem Ziel, konfliktische Situationen anzusprechen, mit den Führungskräften anzusprechen. Bei den Mitarbeiterinnen hatte es das Ziel, hatte es das Ziel, hier auch zu stärken und zu sagen jene Belastungsfaktoren, die dadurch entstehen, dass man schlecht behandelt wird, dass man diskriminiert wird, dass man seine Belastungen nicht aussprechen kann, dass das Unternehmen in echt eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung stellt und in echt interessiert ist daran, dass es unseren Mitarbeitern gut geht. Und dann gab es noch einen kleinen Schwerpunkt für die Lehrlinge Sie zu stärken, Nein zu sagen, zu stärken, zu sagen “Das will ich nicht, das kann ich nicht, das akzeptiere ich nicht.” Wir werden diese Methode der niederschwelligen Information und der niederschwelligen Auseinandersetzung, das werden wir jedenfalls in unseren “Normalbetrieb” aufnehmen.
Hilde Wolf: Unser Trägerverein heißt “Institut für Frauen- und Männergesundheit”, und neben FEM Süd gibt es das Frauengesundheitszentrum FEM und auch das Männergesundheitszentrum MEN. Das Projekt “Durchblickerin” ist aus einem Pilotprojekt entstanden, dass sich ebenfalls auch schon dem Thema Gesundheitskompetenz gewidmet hat. Dazu war es wichtig, Unterstützung zu haben von unseren Kooperationspartnerinnen. Das war in dem Fall die Wiener Gebietskrankenkasse, die sich bereiterklärt haben, dieses Pilotprojekt, das ursprünglich von Fonds Gesundes Österreich, der Wiener Gebietskrankenkasse und der Wiener Gesundheitsförderung gefördert wurde, auch weiterzuführen. Und die Weiterentwicklung bei “Durchblickerin” war, – wir hatten ursprünglich Frauen als Zielgruppe – wir haben jetzt auch Männer mit dabei. Also Frauen und Männer mit und ohne Zuwanderungsgeschichte sind Zielgruppe des Projekts. Dazu auch Angehörige der Gesundheits- und Sozialberufe. Weil es uns ganz wichtig ist, sozusagen Gesundheitskompetenz nicht als Einbahnstraße zu verstehen, sondern wir wissen, wir müssen hier individuell Gesundheitskompetenz stärken. Aber wir müssen auch Ärztinnen, Krankenpflegepersonen und andere psychosoziale Berufsgruppen mit dem Thema vertraut machen. Das Erfreuliche ist, dass das diese Kurse sehr, sehr gut angenommen werden von allen Zielgruppen, dass auch die die kooperierenden Einrichtungen sehr überzeugt sind von dem Projekt und auch den Nutzen sehen und eigentlich der Wunsch ist, dass wir sozusagen dieses Angebot als reguläres und regelmäßiges Angebot auch etablieren können.
Karin Kaiblinger: Wir haben uns spezialisiert auf die Beratung von Verpflegungseinrichtungen.
Rosemarie Zehetgruber: Es hat sich herausgestellt, dass ein Schwerpunkt unserer Arbeit der Bildungsverpflegung wurde. Kindergärten, Schulen - und ein Teil der Verpflegung ist ja auch das Trinken. Und so sind wir auf das Wassertrinken gekommen. Man weiß ja, dass in etwa 40% des Zuckerkonsums bei Kindern aus Getränken kommt. Und darum sind wir auf die Idee gekommen, dass man in der Schule, im pädagogischen Raum einfach Wasser trinkt.
Karin Kaiblinger: Es gab am Anfang ja auch Schüler, die noch nie Wasser getrunken haben, und wir hören das immer von den Lehrkräften: ”Ich habe einzelne Kinder oder wo mir die Eltern sagen, mein Kind trinkt kein Wasser.” Also die das einfach gewohnt sind, immer Süßgetränke zu sich zu nehmen. Aber in der Runde geht das einfach viel leichter.
Rosemarie Zehetgruber: Das Projekt wurde gefördert vom Fonds Gesundes Österreich, der Wiener Gesundheitsförderung, Wiener Wasser ist es als Finanzier dabei, und die Bildungsdirektion unterstützt es in allen Verwaltungsebenen. Die Schule beschließt, wir werden eine Wasserschule. Die Eltern werden informiert, dass sie von zu Hause keine Getränke mehr mitgeben müssen. Die Schüler*innen werden ausgestattet mit einer Trinkflasche. Plakate, wo man die Trinkrituale für die Klasse aufschreibt. Es gibt sehr viel Unterstützungsmaterial für die Lehrkräfte, das auch sehr gerne angenommen wird. Es wird dann eine Trinkkultur an der Schule, Wasser wird einfach getrunken.
Karin Kaiblinger: Die Akzeptanz der Lehrkräfte war auch besonders hoch. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es kaum ein Aufwand ist.
Beim Wiener Gesundheitspreis 2019 wurden in der Kategorie „Gesund in Einrichtungen und Organisationen“ vier herausragende Projekte ausgezeichnet, die durch innovative Ansätze zur Gesundheitsförderung in Institutionen überzeugten. Im Video erzählen die Preisträgerinnen von ihren Gewinnerprojekten:
Curriculum Betriebliche FRAUENgesundheitsförderung: Das Büro für Frauengesundheit und Gesundheitsziele der Magistratsabteilung 24 entwickelte ein Curriculum, das gezielt auf die Förderung der Frauengesundheit am Arbeitsplatz abzielt. Durch Workshops und Schulungen werden Mitarbeiterinnen in städtischen Betrieben für gesundheitliche Themen sensibilisiert und zur aktiven Gesundheitsvorsorge motiviert.
„ASK & GO“-Runden der Abteilung Diversitäts- und Gesundheitsmanagement: Das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser implementierte regelmäßige Gesprächsrunden, in denen Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen gemeinsam Gesundheits- und Diversitätsthemen besprechen. Diese niederschwelligen Formate fördern den Dialog und tragen zur Schaffung eines gesundheitsfördernden Umfelds in den Einrichtungen bei.
DURCHBLICKer*in – Gesundheitskompetenz für Frauen und Männer in der Erwachsenenbildung: Das Institut für Frauen- und Männergesundheit initiierte ein Projekt, das darauf abzielt, die Gesundheitskompetenz von Erwachsenen durch Bildungsangebote zu stärken. Teilnehmende werden befähigt, Gesundheitsinformationen besser zu verstehen und in ihren Alltag zu integrieren, was langfristig zu einer verbesserten Gesundheitsversorgung beiträgt.
Wasserschule – Förderung des Wassertrinkens an Wiener Pflichtschulen: Das Projekt wurde von gutessen consulting eingereicht und setzt sich für die bewusste Förderung eines gesunden Trinkverhaltens bei Kindern ein. Ziel ist es, Leitungswasser als bevorzugtes Getränk im Schulalltag zu etablieren und so einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung und zur Prävention von Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten zu leisten. Durch pädagogische Maßnahmen, Workshops und die Bereitstellung von Trinkwasserstationen wird das Thema Wassertrinken kindgerecht vermittelt und nachhaltig im Schulalltag verankert.
Malika Guellil: Das Projekt “Migrantinnen für Gesundheit” ist ein Projekt der Volkshilfe Wien. Es ist gefördert vom Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres und der Wiener Gebietskrankenkasse. Und warum haben wir das dieses Projekt gestartet? Ich sage immer Armut macht krank. Und von Armut und sozialer Benachteiligung sind Menschen mit Migrationshintergrund besonders betroffen. Wir versuchen im Projekt, Menschen, die schwer durch das österreichische Gesundheitssystem erreichbar sind, zu erreichen, indem wir konkrete, zielgruppengerechte Angebote setzen. Die Gesundheitslotsinnen sind das Herzstück des Projektes. Das sind freiwillige Frauen und Männer, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Und diese Personen werden von uns im Projekt geschult in einem Lehrgang und bekommen Basisinformationen zu Gesundheitsthemen, die vor allem in migrantischen Communities von Bedeutung sind. Und sie gehen dann mit diesen Informationen in unter anderem ihre Communities und halten dort Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen. Im Projektjahr 2018 haben wir mit unseren Informationsveranstaltungen 1697 Migrantinnen erreicht, was für uns natürlich einen großen Erfolg darstellt und auch für unsere Freiwilligen und Gesundheitslotsinnen. Also ich finde es immer wieder total spannend zu sehen, wie soziale Verhältnisse und Gesundheit zusammenhängen. Wenn ich weiß, was ich wie sagen muss, wie schnell ein Arzt-Prozedere in Österreich ist, oder wenn ich da einfach das Orientierungswissen habe, ist das eigentlich eine unglaubliche Gesundheitsförderung.
Romeo Bissuti: Das Projekt “Burschen Leben Vielfalt” ist entstanden, da die MA 13 im Jahr 2016 eine Studie in Auftrag gegeben hat, wo sie sich mit den Jugendlichen in den Wiener Jugendzentren auseinandergesetzt hat, deren Einstellungswelten, Werthaltungen und ähnlichem mehr. Und da hat sich gezeigt, dass es sehr, sehr viele, vor allem männliche Jugendliche gegeben hat, die sehr abwertende Einstellungen hatten, sehr homophobe Einstellungen, Einstellungen von einer rigiden Männlichkeit. Das Projekt selbst konnten wir dank der finanziellen Unterstützung und Förderung durch den Fonds Gesundes Österreich, der Wiener Gesundheitsförderung und der MA 13 umsetzen. Wir bedanken uns sehr herzlich bei den Fördergeldgebern. Wir haben hier 30 Jugendzentren besucht, haben mit diesen Jugendzentren Workshops umgesetzt. Diese Workshops haben wir gemeinsam mit den Jugendeinrichtungen und den Burschen selbst entwickelt. Das Team, das bei uns in den Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit war, ist nicht nur multiprofessionelle, sondern bringt auch unterschiedliche persönliche Hintergründe mit und viele verschiedene Sprachen mit. Für die Burschen war es dann oft überraschend zu sehen, dass sie einen Arzt kennenlernen durften, der im Jugendzentrum ist. Der war einfach zum Reden da. Und das vielleicht nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch noch in türkischer Sprache. Oder einem Psychotherapeuten kennenzulernen, der auch Dari-Farsi spricht oder Bosnisch-Kroatisch-Serbisch. Aber auch bezüglich abwertenden Einstellungen, dass sie erwachsene Männer hatten, die sie mit ihrer Community in gewisse Verbindung bringen konnten und wo sie gesehen haben, die vertreten moderne Männlichkeitsbilder, gleichstellungsorientierte Männlichkeitsbilder. Die stehen noch dafür ein und sind trotzdem verständnisvoll.
Ilse Gstöttenbauer: Der Verein Login ist eine professionelle, gemeinnützige Einrichtung zur Gesundheitsförderung und sozialen Integration und wir richten uns schwerpunktmäßig an marginalisierte Personengruppen. Das Projekt wurde im Jahr 2015 initiiert. Das war das Jahr der großen Flüchtlingsbewegung. Als Verein zur Integration und Gesundheitsförderung haben wir das quasi als Auftrag verstanden, hier Angebote zu setzen für geflüchtete Menschen. Es war sozusagen ein Gebot der Stunde, dass wir uns hier auch einbringen und Aktivitäten für die Menschen, die neu nach Österreich, nach Wien kommen, setzen. Über sportliche Aktivitäten, haben wir uns gedacht, ist ein einfacher Zugang möglich. Und der Einstieg ist einfach und es ist eine attraktive Angebotssetzung, erleichtert sozusagen auch den Kontakt zwischen verschiedenen Zielgruppen. Das war von Anfang an ganz wichtig, dass wir kein reines Flüchtlingsprojekt machen, sondern dass es um eine Durchmischung geht. Dass es eine integrative Wirkung entfalten kann. Die Gruppen waren hauptsächlich Volleyballgruppen für Männer, Frauen, gemischte Teams, Fußballgruppen. Wichtig war auch immer der “Sozial-Teil”, so haben wir das genannt, danach oder davor. Da war Zeit zum Zusammensetzen, zum Plaudern, zum Kennenlernen, zum Kaffeetrinken, zum mal Afghanisch kochen oder Syrisch kochen oder Arabisch kochen, um auch andere Sachen kennenzulernen. Vielfalt ist etwas Bereicherndes und auch etwas ganz Normales in einer Großstadt. Und das ist auch eine wichtige Erkenntnis, die wir, glaube ich, auch im Projekt weitergeben haben können und vermitteln können.
Beim Wiener Gesundheitspreis 2019 wurden in der Kategorie „Gesunde vielfältige Stadt“ drei herausragende Projekte ausgezeichnet, die sich durch innovative Ansätze zur Förderung von Gesundheit und Vielfalt in Wien hervorgetan haben. Im Video erzählen die Preisträger*innen von ihren preisgekrönten Projekten:
Burschen.Leben.Vielfalt.: Das Männergesundheitszentrum MEN wurde für sein Projekt „Burschen.Leben.Vielfalt.“ mit dem ersten Preis geehrt. Das Projekt zielt darauf ab, die Gesundheitskompetenz von Burschen mit vielfältigen kulturellen Hintergründen zu stärken. Durch Workshops und Bildungsangebote werden Themen wie psychische Gesundheit, Sexualität und Geschlechterrollen behandelt, um ein gesundes Aufwachsen in einer diversen Gesellschaft zu fördern.
loginsIntegration – Vielfalt in Bewegung – Vielfalt in Begegnung: Der Verein LOGIN erhielt den zweiten Preis für sein Projekt „loginsIntegration“. Dieses fördert die soziale Integration von Menschen mit Migrationshintergrund durch Bewegungs- und Begegnungsangebote. Durch gemeinsame Aktivitäten werden Barrieren abgebaut und das Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten gestärkt.
MigrantInnen für Gesundheit: Die Volkshilfe Wien wurde für ihr Projekt „MigrantInnen für Gesundheit“ mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Das Projekt bildet Migrantinnen zu Gesundheitsbotschafterinnen aus, die in ihren Communities über Gesundheitsthemen informieren und den Zugang zu Gesundheitsdiensten erleichtern. So wird Gesundheitsförderung direkt in die Lebenswelten der Menschen getragen.
Sie wollen noch mehr bisher produzierte Videos, Filme und Animationen der Drehstrom Filmproduktion sehen?
Sie wollen konkrete Anwendungsbeispiele für den erfolgreichen Einsatz von Videomarketing kennen lernen?
Sie wollen Infos über die Arbeitsweise und Preise der Drehstrom Filmproduktion wissen?
Sie wollen sich für Ihr Videomarketing beraten lassen oder brauchen ein Video oder einen Animationsfilm?